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Wissensbasierte Systeme und Datenbanken in Medizinischen Informationssystemen Dudeck, J., Th. Bürkle, A. Taffazoli, U. Altmann, J. Joch, W. Ruan Institut für Medizinische Informatik Gießen
Bereits sehr frühzeitig wurde bei Computeranwendungen in der Medizin versucht, Wissen zu verarbeiten und die ärztliche Tätigkeit durch wissensbasierte Funktionen zu unterstützen. Schon in den sechziger Jahren erfolgten erste Untersuchungen zur Diagnoseunterstützung bei kindlichen Herzfehlern, bei Elektrolytstoffwechsel-störungen, bei der automatische EKG Verarbeitung etc. Alle diese Ansätze waren Diagnostik orientiert. Sie verfolgten das Ziel, die ärztliche Diagnostik nachzubilden, zu automatisieren und dadurch sicherer und besser zu gestalten. Auch bei der Entwicklung von Expertensystemen war die Medizinische Informatik mit Mycin, Internist etc. maßgeblich beteiligt. Dennoch werden bisher nur wenige dieser Systeme in der medizinischen Routine tatsächlich eingesetzt. Als Barrieren erwiesen sich insbesondere die Komplexität des medizinischen Entscheidungsraumes und die zeitaufwendige Eingabe der als Entscheidungsgrundlage dienenden Daten. Ärzte entscheiden oft sehr schnell an Hand sehr weniger Leitbefunde. Expertensysteme waren demgegenüber zu aufwendig und wurden deshalb nicht akzeptiert. In der Praxis durchgesetzt hat sich dagegen ein anderer Ansatz, der des Entscheidungsmonitorings. Hierbei werden getroffene Entscheidungen auf Grund gespeicherten Wissens kritisch bewertet. Der entscheidende Arzt wird sich der erfolgenden "Überwachung" nur dann bewußt, wenn er auf Verletzungen von Wissensregeln hingewiesen wird z.B. auf die Verschreibung nicht kompatibler Medikamente. Bisherige Erfahrungen zeigen, daß diese Form der Anwendung wissensbasierter Funktionen in der Medizin durchaus akzeptiert und als Unterstützung empfunden wird. Der Entscheidungsraum ist begrenzt, die Handlungsalternativen sind überschaubar. Entscheidungsmonitoring ist ein Weg der aktiven Qualitätssicherung. Auf mögliche Fehler wird hingewiesen, bevor sie zu Konsequenzen geführt haben. Voraussetzung für die Anwendung von Systemen mit Entscheidungsmonitoring ist die Einbindung in klinische Informationssysteme. Die benötigten Daten müssen aus dem Informationssystem verfügbar sein, die Aktivierung der wissensbasierten Funktionen muß automatisch bei Verletzung des gespeicherten Wissens erfolgen. Das Wissen kann in standardisierter Form mit der ARDEN Syntax definiert werden. Die Wissensrepräsentation setzt eine Standardisierung der Terminologie in einem Data Dictionary voraus. Umfassend ist dieses Konzept im Krankenhaus - Informationssystem HELP realisiert. Über Erfahrungen mit diesem System und über Ansätze zur Anwendung wissensbasierter Funktionen im Klinikum in Gießen wird berichtet. Ansätze zur Integration dieses Konzeptes in der Telemedizin werden u.a. in Kanada verfolgt. |